Gesundheit
Drogen-Ausstieg

In Alexanders Leben geht es steil bergab. Familienstreit, Schulstress und Drogen werden zu unlösbaren Problemen. Doch dann kommt Hilfe von unerwarteter Seite.
Mit 16 hält Alexander es zu Hause kaum noch aus: Immer wieder gerät er mit seinem Stiefvater aneinander, Kleinigkeiten werden zu riesigen Streitereien. "Ich habe mich nie gut mit ihm verstanden", erinnert sich Alexander im Nachhinein. "Aber mit der Zeit wurde es immer schlimmer. Er hat mich behandelt wie ein kleines Kind. Ich durfte zum Beispiel nicht weggehen, dabei war ich schon 16. Ich wollte mir das nicht gefallen lassen. Irgendwann wollte ich einfach nur noch raus!" Hinzu kommen schlechte Noten in der Schule. "Alles prasselte auf mich ein. Ich wusste nicht mehr weiter", so Alexander. Als Schulkameraden ihm Drogen wie Ecstasy, Amphetamine und Pilze anbieten, sagt er nicht Nein. Er will einfach seiner chaotischen Welt entfliehen und endlich seine Sorgen vergessen.
Ich wollte nur noch raus!
Doch die Realität holt ihn schnell wieder ein, als er in der Schule immer schlechter wird. Schließlich, in der 9. Klasse, schmeißt er alles hin. "Damals dachte ich: 'Was soll ich denn in der Schule?', ich hatte nur Misserfolge", erinnert sich Alexander. Auch seine Mutter weiß schließlich nicht mehr weiter und wendet sich ans Jugendamt. "Ich bekam ein Angebot für Betreutes Wohnen", erzählt Alexander. "Auf der einen Seite hatte ich ein sehr mulmiges Gefühl. Ich wusste ja nicht, ob ich das überhaupt packen würde. Ich war ja erst 16. Auf der anderen Seite erschien mir das aber sehr befreiend. Deshalb habe ich sofort zugesagt."
Tatsächlich geschafft?
Zunächst ist Alexander froh: Endlich keinen Stress mehr zu Hause. Jetzt hat er den Kopf frei - und fasst folgenden Entschluss: Ich mache den Schulabschluss nach, und Schluss mit den Drogen! Er wünscht sich ein ganz normales Leben. Mit Hilfe einer Fördermaßnahme vom Arbeitsamt schafft er tatsächlich seinen Hauptschulabschluss. Die Drogen spielen für den Moment keine Rolle. Seine seelische Abhängigkeit scheint überwunden. Zum Glück war noch kein körperlicher Entzug nötig.
Nach und nach fühlt sich Alexander wieder wohler in seiner Haut. Während der Fördermaßnahme erfährt er von VESBE, einem Verein für Europäische Sozialarbeit, Bildung und Erziehung in Hennef. VESBE wendet sich an Menschen, die auf Grund einer Benachteiligung Hilfe zum Erlernen eines Berufes benötigen. Alexander bewirbt sich dort um eine Praktikantenstelle als Koch. Er bewährt sich in seinem Praktikum und ergattert die einzige Ausbildungsstelle in der Großküche des Vereins in Hennef. Zusätzlich erhält er einmal in der Woche schulische Nachhilfe und regelmäßig sozialpädagogische Unterstützung. Alex scheint endlich auf einem guten Weg zu sein - doch die größte Herausforderung steht ihm noch bevor.
Abgestürzt
Alexander ist gerade 18, als er sich in eine Mitbewohnerin verliebt. Doch zu schnell wird die junge Liebe auf eine harte Probe gestellt: Seine Freundin wird schwanger. Anfangs ein Alptraum für beide. In so schwierigen Situationen kann man sich auch an spezielle Beratungsstellen wie ProFamilia wenden, die einen in dieser Lage nicht alleine lassen. "Doch dann habe ich mich gefreut. Gemeinsam mit unserem Sohn Jannik bekamen wir sogar ein eigenes Appartement im Wohnheim", erinnert sich Alexander. Es geht wieder bergauf. Aber unter all der Arbeit leidet die Beziehung zu seiner Freundin: Kleine Kinder wollen rund um die Uhr betreut werden. Außerdem arbeitet Alex oft, um seiner kleinen Familie etwas bieten zu können. "Zeit für uns hatten wir eigentlich nie", stellt der junge Vater fest. Seine Freundin trennt sich schließlich von ihm. Dann der Absturz: Einsamkeit und Verzweiflung lassen ihn wieder zu Drogen greifen.
Rückendeckung
Trotzdem kommt Alexander jeden Tag zur Arbeit: "Meine Ausbildung stand an erster Stelle. Wenn ich die Lehrstelle hier verloren hätte, wäre es bestimmt richtig böse geworden", ist Alexander überzeugt. Zum Glück bemerkt seine Betreuerin bei VESBE Alexanders schlimmen Zustand. Sie versucht, auf ihn einzugehen und herauszufinden, was mit ihm los ist. In vielen Gesprächen erzählt er schließlich seine Geschichte. Unerwartete Hilfe kommt auch von seiner Familie: "Mein Onkel sagte mir, 'Ich will dich nicht irgendwann auf der Straße liegen sehen. Wir schaffen das zusammen'", erinnert sich Alexander. Der Onkel holt den jungen Mann aus dem Wohnheim zu sich. Jetzt hat Alexander seine eigenen vier Wände und endlich wieder so etwas wie eine Familie. Das gibt ihm Sicherheit und Geborgenheit. Er muss nicht mehr auf Drogen zurückgreifen, um sich gut zu fühlen oder um sein Leben zu vergessen. Die neue Situation gibt ihm endlich die Kraft, sich endgültig davon zu lösen.
Der Ausweg
Inzwischen ist Alex 20 und fühlt sich wohl in seiner Haut: "Nach der Ausbildung wünsche ich mir einen festen Job als Koch. Ich liebe es, für Leute zu kochen und zu sehen, dass es ihnen schmeckt." Er sieht seinen zweijährigen Sohn regelmäßig, auch wenn er keinen weiteren Kontakt zur Ex-Freundin mehr hat. Rückblickend fragt sich Alexander manchmal, wie es soweit kommen konnte. "Mein Leben stand auf Messers Schneide. Hätte mir niemand geholfen, wäre ich sicher komplett abgerutscht. Daher bin ich allen dankbar, die mir beigestanden haben. Es ist so wichtig, mit anderen Menschen zu reden. Wer nicht mehr weiterweiß, sollte ruhig mit einer Beratungsstelle sprechen. Ich habe gelernt, dass man mit Hilfe auch große Probleme meistern kann."



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oezlem sagt
Gönn dir das IKK Azubi-Paket!:
habe es bis jet ...
18 Kommentare