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Ein schlechter Joke

18.02.09 2 Kommentare Bewertungen (5) Aufrufe: 1558

Lust auf eine Karriere als Visual Store Merchandiser – oder doch eher als Waste Removal Engineer? Du merkst: Auf Englisch getrimmte Berufsbezeichnungen können oft lächerlich wirken. spleens hat sich umgehört.

Grundsätzlich sind englische Ausdrücke, so genannte Anglizismen, aus dem deutschen Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken. Immerhin wird auch hierzulande gerappt, geflirtet, geshoppt und gechattet. Alles kein Problem. Auch in vielen Berufszweigen ist die Beherrschung der englischen Sprache Standard – und englische Jobtitel eine Selbstverständlichkeit. Dies gilt generell für alle großen und international ausgerichteten Unternehmen, speziell zum Beispiel für die IT-Branche.  

Controller und Consultants

An den „Controller“ zum Beispiel haben sich viele mittlerweile schon gewöhnt – klingt ja irgendwie auch besser als Rechnungsprüfer. Auch als Buchhalter stellt sich heute kaum noch jemand vor. Warum dröge daherkommen, wenn man als „Accountant“ die Bewunderer auf seiner Seite hat? Müssen aber deswegen Berater unbedingt als „Consultants“ durchs Berufsleben gehen? Eine weitere bedrohte Spezies in Deutschland: Kundenbetreuer. Sie melden sich bei ihren Klienten immer häufiger als „Account Manager“.  

Beim Blick in die Jobbörsen im Netz aber fällt auf: Für die Mehrzahl der ausgeschriebenen Stellen werden noch immer deutsche Begriffe gewählt. Schließlich sollen Berufsbezeichnungen nicht dazu dienen, sich auf Partys aufzuplustern. Sie sollen vielmehr Aufschluss darüber geben, was jemand im Job macht, was von ihm verlangt wird. Immerhin können unklare Stellenanzeigen auch potenzielle Bewerber ab- und verschrecken.  

Ablehnung für Denglisch

Eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) ergab im letzten Jahr, dass von 2.400 befragten Jugendlichen nur 18 Prozent der Mädchen und ganze 9 Prozent der Jungs englische Berufsbezeichnungen besser finden als deutsche. „Wir dachten, dass englische Berufsbezeichnungen viel besser ankommen. Aber das war eindeutig nicht so“, meinte Joachim Gerd Ulrich vom BIBB.    

Trotzdem geistern weiterhin auch Stellenanzeigen durchs Land, die man für unangemessen halten könnte. Ein hessischer Textilhändler zum Beispiel sucht einen „Visual Store Merchandiser“. Deutsche Übersetzung: Schauwerbegestalter. Und ein bekanntes TV-Kaufhaus benötigt neue „Graphic Designer“. Ein Rätsel, warum hier nicht einfach Grafik-Designer angesprochen werden.  

Die schrägsten Jobtitel

Wer jetzt glaubt, das Problem sei ein rein deutsches, der irrt. Sogar in der Heimat der Anglizismen, in Großbritannien, mehren sich Beschwerden über merkwürdige Berufsbezeichnungen. Der Online-Arbeitsvermittler jobs2view suchte vor zwei Jahren mittels einer Umfrage die blödsinnigsten Jobbezeichnungen des Landes. Klarer „Sieger“: der „Clearance Vision Engineer“ („Sichtbereinigungsingenieur“) – in Wahrheit nichts anderes als ein gewöhnlicher Fensterputzer. Auf Platz zwei folgte der „Education Centre Nourishment Production Assistant“ („Nahrungsmittelproduktionsassistent im Erziehungszentrum“), Mitarbeiter in der Schulkantine. Und Bronze ging an den „Waste Removal Engineer“ („Abfallbeseitigungsingenieur“). In einfaches Deutsch übersetzt: Müllmann.


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Kommentare zu diesem Artikel

medienknecht sagt
Ich kann verstehen, dass sich in international aufgestellten Unternehmen auch internationale Tätigkeitsbezeichnungen durchsetzen. Aber bei der Suche nach einem passenden Arbeitsplatz kann das auch dazu führen, dass sich immer wieder die Falschen auf eine zu besetzende Stelle bewerben. Teilweise sind die Tätigkeitsbezeichnungen auch so \"nichts sagend global\" das man die Stelle selbst gar nicht als attraktiv empfindet. So gehen den Unternehmen dann sicher auch gute - aber weniger global denkende Arbeitskräfte verloren. Schade finde ich, und auch nicht ungefährlich.

25. Februar 2009 um 15:44 Kommentar melden

betti90 sagt
verrückt! ich werd auch waste removal engineer. hört sich gut an.

23. Februar 2009 um 15:11 Kommentar melden

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