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Freiwilliges Soziales Jahr

27.02.09 3 Kommentare Bewertungen (18) Aufrufe: 2201

Schule aus – und dann? Wer nicht gleich vom Klassenzimmer in die Berufsschule oder den Uni-Hörsaal wechseln will, kann auch erst etwas Praxisluft schnuppern. Auch die 20-jährige Christina hat sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden – und dabei Tolles erlebt.

In dem großen Aufenthaltsraum mit den Postern fliegen die Dartpfeile umher, Mehmet und Serkan spielen Billard, die restlichen Jugendlichen hängen auf Sofas ab und übertrumpfen sich gegenseitig mit lockeren Sprüchen. Gleich nebenan, im Kinderbereich, liest Ordensbruder Lucinho Geschichten vor, zwei kleine Jungs beschießen sich mit Tischtennisbällen. Auch Christina ist seit einiger Zeit Teil dieses Trubels, ist Teil des Kinder- und Jugendtreffs der Amigonianer, einer katholischen Ordensgemeinschaft.

Hilfe bei der Studienwahl

Die Gelsenkirchenerin will während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) herausfinden, ob ihr der Umgang mit Kindern liegt, ob sie später auch in diesem Bereich arbeiten möchte und einen pädagogischen Studiengang wählen soll. Denn dass sie hinterher studieren will, das weiß sie schon jetzt ganz sicher. Sie hofft sogar, durch das FSJ letztlich nicht zu viel Geld für ihre Ausbildung auszugeben: „So zahle ich wenigstens keine Studiengebühren für etwas, was sich dann als falsche Wahl herausstellt.“

Deshalb mobilisiert Christina ihre Energien nun im Kinder- und Jugendtreff am Rande Gelsenkirchens. Eine ihrer Hauptbeschäftigungen dort: Hausaufgabenbetreuung. Drei Stunden täglich hilft sie den Sechs- bis Zwölfjährigen, lernt mit ihnen im Hausaufgabenraum Deutsch, Englisch oder Mathe. 20 bis 30 Kinder lassen ihr Schulwissen hier regelmäßig aufpolieren. Um 17 Uhr wechselt Christina dann meist in den Freizeitbereich, passt auf die tobenden Kinder auf, spielt und malt mit ihnen, setzt aber auch Regeln durch.

Auch anderen Jugendlichen hilft ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Studien- und Berufswahl. Nach Angaben des Bundesarbeitskreises Freiwilliges Soziales Jahr, eines Zusammenschlusses von Trägerverbänden, absolvieren jedes Jahr über 30.000 junge Erwachsene in Deutschland ein FSJ, lernen etwas Neues kennen und helfen anderen Menschen – in Krankenhäusern, Altenheimen und Kindergärten, Sportvereinen, Museen und Gedenkstätten.

Neue Arbeit, neue Leute, neue Erfahrungen

Mitmachen kann, wer das 27. Lebensjahr noch nicht überschritten hat. Neben der eigentlichen Tätigkeit stehen dabei für jeden auch 25 Seminartage auf dem Pflichtenzettel. Dabei versammeln sich mehrere FSJler aus verschiedenen Einsatzstellen, um gemeinsam bestimmte Themen zu erarbeiten und zu diskutieren. Im Gegenzug sammeln die jungen Freiwilligen nicht nur wertvolle Erfahrungen, sie erhalten auch ein kleines Taschengeld. Christina zum Beispiel bekommt immerhin 350 Euro im Monat. Übrigens: Ein FSJ besteht nicht zwangsläufig aus zwölf Monaten, es kann auch nur sechs oder aber gar 18 Monate lang sein. Jungs können unter bestimmten Voraussetzungen sogar ihren Zivildienst durch ein Freiwilliges Soziales Jahr ersetzen.

„Eigentlich bin ich mit geringen Erwartungen an die Sache herangegangen“, sagt Christina, „weil ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, was ich hier genau machen muss.“ Auch mit den ungewohnten Arbeitszeiten konnte sich die Abiturientin nicht so recht anfreunden. Während zuvor in der Schule gegen 14 Uhr die Rucksäcke umgeschnallt wurden, geht der Arbeitstag für Christina nun um diese Zeit erst los. Um 20 Uhr ist Feierabend – eine weitere Stunde später trudelt sie dann in der elterlichen Wohnung ein. „Am Anfang war ich deshalb abends immer total müde“, erinnert sie sich. Auch Christinas Volleyballmannschaft muss seitdem ohne sie auskommen, denn das Training fängt jeweils schon am späten Nachmittag an.

„Viel offener geworden“

Dafür stellte sie schnell fest, dass ihr die Beschäftigung mit den Kindern Freude bereitet. Am meisten Spaß macht ihr die Hausaufgabenbetreuung. „Obwohl ich in der Schule gar keinen Bock auf Lernen hatte, fehlt es mir seitdem irgendwie“, sagt Christina mit einem Schmunzeln. Und wenn sie einige Tage nicht da war, während der Seminartage etwa, „dann schreien alle Kinder meinen Namen, wenn ich wiederkomme. Das ist schon ein schönes Gefühl.“

Aber nicht nur mit den Kleinen versteht sie sich prächtig, auch zu ihren Kollegen hat sie einen guten Draht. Zum Zusammengehörigkeitsgefühl tragen auch die vielen gemeinsamen Aktionen bei – ob Kinoabende am Wochenende, eine gemeinsame Weihnachtsfeier oder die Ferienfreizeit im Sommer. In den nächsten Sommerferien hält sich die ganze Amigonianer-Gruppe wieder in der idyllischen Eifel auf, wo der Orden ein Haus besitzt. Die Kinder zelten auf einer großen Wiese, spielen zusammen, grillen und erzählen.

Für Christina soll es der fröhliche Abschluss eines lehrreichen Jahres werden. Ihre Bilanz fällt aber schon jetzt positiv aus: „In der Schule wird dir alles zurechtgelegt und du lernst keine neuen Leute kennen. Das ist im FSJ anders.“ Was sie selbst angeht, fügt sie hinzu: „Und außerdem bin ich viel offener und selbstbewusster geworden und habe gelernt, mehr auf Menschen zuzugehen.“ Nur eines möchte sie schleunigst wieder ändern: Die Zeit ohne Volleyball soll nach Abschluss ihres Freiwilligen Sozialen Jahres endlich ein Ende finden.


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Kommentare zu diesem Artikel

Julante sagt
Ich finde es total geil! Vieleicht werde ich so was auch machen nach der Schule?

05. März 2009 um 15:15 Kommentar melden

Urmel sagt
Ich mach ein nach den Sommerferien eins....
freu mich da schon voll drauf

02. März 2009 um 20:36 Kommentar melden

betti90 sagt
cool solche leute. hab dafür leider keine zeit.

01. März 2009 um 17:36 Kommentar melden

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