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Streitschlichter

Ärger mit Lehrern, Stress mit Mitschülern und schlechte Noten - der Schulalltag ist nicht immer leicht. Umso besser, wenn es Schüler gibt, die bei Zoff zur Seite stehen. spleens stellt Streitschlichter vor.
"Ich finde das total unfair!", ruft die 16-jährige Sabrina* aufgebracht. "Ihr schreibt bei der Klassenarbeit bei mir ab und ich habe jetzt Ärger, weil die Lehrerin was gemerkt hat. Sie will wissen, wer bei wem abgeguckt hat. Ihr müsst das klarstellen." Die beiden Beschuldigten Sarah* und Tine* denken gar nicht daran. "Kommt nicht in Frage, dann kriegen wir nachher eine schlechte Note. Wir sind doch nicht blöd!", sind sie sich einig. "Jetzt mal langsam", schalten sich ihre Mitschülerinnen Jessica (17) und Nadine (17) ein. "Wir besprechen bitte in Ruhe, was genau passiert ist." Jessicas und Nadines Job ist es, bei der Konfliktlösung zu helfen. Sie sind ausgebildete Streitschlichter und von ihrer Mitschülerin, die sich schlecht behandelt fühlt, gebeten worden zu vermitteln. Alle sitzen im Streitschlichterraum um einen Tisch und diskutieren.
Auf gleicher Augenhöhe
An vielen deutschen Schulen gibt es Streitschlichter. Das Besondere am Streitschlichterprogramm ist, dass Schüler Schülern helfen. Die Konfliktparteien und die Streitschlichter erarbeiten gemeinsam im geregelten Gespräch eine Lösung, bei der niemand Sieger oder Verlierer ist. Denn Abmachungen, die man selbst erarbeitet hat, sind leichter einzuhalten. Sie werden zusätzlich in einer Art Vertrag festgeschrieben, an den sich alle zu halten haben. Auch an Jessicas und Nadines Schule gibt es ein solches Programm. Als die beiden davon erfahren, melden sie sich bei der Beratungslehrerin, die das Projekt betreut. Sie werden auch direkt im Auswahlverfahren gewählt, denn die Schüler dürfen selbst entscheiden, wer ihre Streitigkeiten zukünftig schlichten soll. "Wir haben uns so gefreut, dass man uns vertraut", lächelt Jessica. Wer Streitigkeiten beilegen will, benötigt eine richtige Ausbildung. Jessica und Nadine haben mehrfach Blockunterricht, der von der qualifizierten Beratungslehrerin geleitet wird.
Der Ernstfall
In Nadines und Jessicas Fall gibt es viel Wut und verletzte Gefühle. In der Pause kommt Sabrina zu ihnen in den Streitschlichterraum. Kaum dass sie sitzt, geht es schon los: "Das ist echt gemein! Ich weiß nicht, was ich tun soll!", sagt sie verzweifelt. "Schließlich will ich Tine und Sarah nicht verpetzen." Nadine fragt noch einmal genau nach, lässt ihre Mitschülerin in Ruhe erzählen, unterbricht sie nicht. "Am besten, wir setzen uns alle zusammen, ganz vertraulich. Kein Lehrer oder Schüler erfährt etwas davon, was wir bereden. Zusammen finden wir eine Lösung", schlägt Nadine vor. Als sie ihre Idee den beiden Moglerinnen vorstellt, sind diese einverstanden. "Im Streitschlichterraum sind wir dann zusammengekommen", erinnert sich Nadine. "Jeder durfte - ohne, dass der andere ihn angreift - seine Meinung sagen und seine Gefühle beschreiben. Ich habe die Sichtweisen zusammengefasst und ruhig und sachlich mit den dreien besprochen", erklärt sie. Den beiden Moglerinnen wird im Laufe des Gespräches klar, dass sie sich unfair verhalten haben. Jetzt wollen sie von sich aus überlegen, ob sie nicht mit der Lehrerin sprechen. Sie entschuldigen sich außerdem bei ihrer Klassenkameradin. "Es ist ein tolles Gefühl, einen Streit aus der Welt zu schaffen. Ich bin echt froh, dass ich das gelernt habe", strahlt Nadine.
Grenzen der Streitschlichtung
Obwohl Streitschlichtung für alle Beteiligten viel bringt und es hilft, friedlich Konflikte zu lösen, gibt es doch Grenzen. Nicht alle Schüler nutzen das freiwillige Programm, wenn Sie Probleme haben. Einige schämen sich beispielsweise den gleichaltrigen Streitschlichtern von ihren Problemen zu berichten. "Einige Schüler haben Befürchtungen", weiß Nadine. "Aber es bleibt alles vertraulich. Niemand wird bloß gestellt", versichert die 17-jährige. In der Ausbildung lernen die Streitschlichter aber auch, wann sie nicht weiterhelfen können. "Wenn Schüler Straftaten begehen oder schwere körperliche Gewalt im Spiel ist, dann müssten auch wir uns Hilfe holen", erklärt Jessica. "Wir würden dann zur Vertrauenslehrerin gehen." Diese Konflikte können nur von Erwachsenen bewältigt werden - in schlimmen Fällen muss auch die Polizei eingeschaltet werden. "Das haben wir an unserer Schule glücklicherweise noch nie erlebt", berichtet Nadine. "Bisher konnten wir immer weiterhelfen und es wäre super, wenn noch mehr Schüler sich trauen, auf unsere Hilfe zu setzen."
* Namen von der Redaktion geändert



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oezlem sagt
Gönn dir das IKK Azubi-Paket!:
habe es bis jet ...
18 Kommentare