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Die Welt vor Asteroiden retten - Gespräch mit Jugend-Forscht-Sieger

02.07.09 0 Kommentare Bewertungen (17) Aufrufe: 1600

Nein, die roten Punkte in der Mitte des Bildes sind nicht irgendwelche Farbkleckse. Es ist auch kein Gemälde des Typs „Moderne Kunst“. Julian (l.) und Lennart haben etwas entwickelt, worauf selbst die NASA neidisch sein könnte.


 

Vor Teleskopen sitzen, das Weltall ablichten, lange Rechenformeln aufstellen – das ist nicht gerade das, was alle Jugendlichen in ihrem Alter in der Freizeit so machen. Doch für Julian Petrasch (17) und Lennart Schlieder (16) aus Berlin ist genau das total spannend. Sie haben ein Computerprogramm entwickelt, mit dem man die Position von Asteroiden – Miniplaneten im Weltall – sehr genau bestimmen kann. Test haben gezeigt: Ihr Programm SAMS ist bis zu 40 Prozent besser als Programme die mit den herkömmlichen Methoden arbeiten. Damit haben sie den Bundessieg bei „Jugend forscht“ in der Kategorie Geo- und Raumwissenschaften errungen.

„Ich habe mich schon früh für Astronomie interessiert“, erzählt Julian. „Seit fünf Jahren bin ich in einer Arbeitsgruppe, die sich speziell mit Astrometrie beschäftigt. Das heißt: Positionen von Asteroiden vermessen und gucken, ob sie der Erde gefährlich werden könnten.“ Denn es gibt Asteroiden, deren Laufbahn unserem Planeten in die Quere kommt. Und die Gefahr besteht, dass sie hier einschlagen.

Zusammen ist man weniger allein

„Irgendwann bin ich darauf gekommen, dass man das Ganze noch besser machen könnte. Ich hatte da so meine Ideen“, so Julian. Für die Entwicklung der notwendigen Software holte er sich Verstärkung bei seinem Schulfreund Lennart Schlieder. „Er kann sehr gut programmieren, und ich habe das astronomische und mathematische Wissen.“ Eine gute Arbeitsteilung, bei der es bislang so gut wie keinen Streit gab.

„Zuerst haben wir Methoden entwickelt, um die Position von Asteroiden genauer zu bestimmen“, berichtet Julian. „Wir haben dann eine Software geschrieben und alles simuliert.“ Danach wollten sie endlich echte Daten verwenden. Dafür brauchten sie aber  Beobachtungszeit an großen Teleskopen. „Wir hatten hier viel Unterstützung. Das Max-Planck-Institut in Heidelberg hat uns eine Woche lang ein Teleskop zur Verfügung gestellt.  Wir bekamen auch Daten aus England und konnten sogar Teleskope auf Hawaii und in Australien über das Internet steuern.“  

Niemals damit gerechnet

Dann haben sie ihre Arbeit bei Jugend forscht angemeldet, ohne wirklich mit dem Bundessieg zu rechnen, wie Julian lachend verrät. „Vor allem im Regionalwettbewerb hatten wir Zweifel, weil dort ein kleiner Fehler in der Arbeit war. Außerdem hatten wir die Präsentation vorher nicht geübt.“ Aber das Genie beherrscht das Chaos – und so ging’s weiter zum Landeswettbewerb. Julian: „Da haben wir uns mal ordentlich vorbereitet.“  

Und schon standen sie im Bundesfinale. „Da war die Konkurrenz natürlich riesig. Wir glaubten, vorne mit dabei zu sein, aber niemals an den Bundessieg.“ Doch die beiden, deren Interesse immer bei der Arbeit selbst lag, und denen es nicht darum ging zu gewinnen, erreichten den ersten Platz. Jetzt sind sie überglücklich, und schon ein bisschen berühmt.  

Verlockende Zukunft

Doch Julian und Lennart wollen nach ihrem Erfolg keineswegs die Beine hoch legen und sich auf den Lorbeeren ausruhen. Ihr Ziel ist zunächst die Verbesserung ihres Programms. Es soll bedienungsfreundlicher, schneller und stabiler werden. Die weitere Zukunft in der Forschergemeinschaft sieht auch viel versprechend aus: „Wir haben eine Einladung zum Europawettbewerb in Paris“, sagt Julian. „Das ist auch noch mal was ganz Besonderes.“ Irgendwann steht möglicherweise sogar ein Vortrag in der amerikanischen Eliteuniversität Harvard an.

 

 

Teleskop in Heidelberg, mit dem die Jungforscher gearbeitet haben
Mit diesem Teleskop haben Julian und Lennart am Max-Planck-Institut in Heidelberg gearbeitet.
Die Kamera des Teleskops wird auf -110 Grad abgekühlt.

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